
Was ist eigentlich aus der Strike-Reihe geworden?
„Der Krieg. Der Krieg ist auch nicht mehr das, was er mal war. Terroristen und Irre prägen die Welt-Unordnung.“ Was so eigentlich auch aus den heutigen Tagesnachrichten stammen könnte, ist in Wahrheit ein Zitat aus einem 1997 erschienenen Videospiel. Die Rede ist von Soviet Strike, welches damals mit dem Wechsel in die dritte Dimension und auf die erste PlayStation einen wichtigen Meilenstein in der von Electronic Arts entwickelten Strike-Reihe darstellte. Doch was wurde eigentlich aus dieser kampflastigen Actionreihe, die in den 90ern noch über zahllose Bildschirme vieler Gamer flimmerte? Wir haben uns durch den Staub der Geschichte gewühlt und den Helikopter wieder flottgemacht.
1992: Desert Strike: Return to the Gulf
Wie es der Name schon sagt, bediente sich das Debüt der Strike-Reihe einem recht realen Szenario, was nicht ohne Kontroversen blieb. Die Rede ist vom Ersten Golfkrieg, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal seit einem Jahr beendet war. In Desert Strike wurde der Spieler nun zumindest in ein fiktives Szenario geschickt, das nach dem Golfkrieg angesiedelt war.
Viele Elemente, die die Reihe ausmachten, wurden hier bereits aufgegriffen. Wir steuerten also einen waffenstarrenden Kampfhubschrauber aus einer isometrischen Ansicht heraus und erfüllten allerlei Missionen im Feindesland. Auch die Bergung von Gefangenen gehörte unmittelbar dazu. Statt gottgleicher Allmachtsfantasie war aber einiges an Geschick und taktischem Vorgehen gefragt, denn zum einen hielt unser Einsatzfahrzeug nicht allzu viele Treffer aus, zum anderen konnte uns Munition und Treibstoff ausgehen. Diese Faktoren galt es immer im Blick zu behalten, um nicht mit metaphorisch gesprochen heruntergelassenen Hosen vor der nächsten, feindlichen Flak aufzutauchen.
Mit diversen Portierungen, unter anderem natürlich für PC und verschiedene Game-Boy-Systeme, wurde Desert Strike zu einem respektablen Hit, welcher sich ordentlich verkaufte. Ein Nachfolger war somit nur noch eine Frage der Zeit.
1993: Jungle Strike
Bereits ein Jahr später wurden die Rotoren wieder angeworfen. Jungle Strike setzte dabei die Handlung des Vorgängers fort und präsentierte eine von Rachemotiven durchsetzte Geschichte. Statt des Wüsten-Settings aus dem ersten Teil wurde nun im Dschungel gekämpft, wobei man gegen allerlei Drogenbarone vorgehen musste. Das Grundprinzip von Desert Strike wurde dabei getreu dem Motto „Never change a running system“ einfach übernommen, aber dann doch um ein paar Feinheiten ergänzt. So durften wir an bestimmten Stellen das Fahrzeug wechseln, was für mehr Abwechslung sorgte. Geblieben war der hohe Schwierigkeitsgrad, der auch Jungle Strike zu keinem Zuckerschlecken machte.
1994: Urban Strike
Wiederum ein Jahr nach Jungle Strike erschien wenig überraschend schon der nächste Nachfolger, diesmal auf den Namen Urban Strike lautend. Der neuste Streich verlegte die Handlung in ein Szenario in die (damals zumindest) nahe Zukunft des Jahres 2001. Mit einem Kampfhubschrauber und einigen anderen Vehikeln galt es wieder einmal, einen wahnsinnigen Terroristen aufzuhalten. Obwohl die Grundprämisse des Spiels gut klang, nagte nun so langsam der Zahn der Zeit an der Reihe, was zu eher durchschnittlichen Wertungen, vor allem dank vieler technischer Probleme, führte.
1996: Soviet Strike
Golfkrieg, Drogenbarone, Terroristen… Was war wohl noch nicht dran? Ach ja, der kalte Krieg. Mit dem 1996 erschienenen Soviet Strike vollzog die Reihe, nun mit ganzen zwei Jahren Entwicklungspause, einen wichtigen Schritt nach vorne. Viele der Levelobjekte einschließlich gegnerischer Fahrzeuge bestanden aus 3D-Modellen, was dem ganzen Spiel einen etwas realistischeren Look verlieh.
Die Handlung setzte dabei nach dem Fall der Sowjetunion ein. Das Strike-Team, bestehend unter anderem aus unserem tapferen, aber namenlosen Piloten, verfolgte die Spur des Shadow Man, eines mutmaßlich russischen Terroristen, der nichts anderes als den Dritten Weltkrieg entfachen wollte und im Hintergrund seine Fäden zog. Insgesamt fünf Missionen in abwechslungsreichen Gebieten galt es zu bestehen.
Hier mussten etwa Panzerverbände im Kaukasus ausgeschaltet, einige Atom-U-Boote im kaspischen Meer aufgehalten, der Reaktorkern von Tschernobyl ausgegraben oder schließlich ein Putschversuch im Kreml verhindert werden, bei dem wir niemand geringeren als den damaligen, russischen Präsidenten Boris Jelzin eskortieren mussten. Präsentiert wurde die zugegeben etwas trashige Geschichte dabei von FMV-Sequenzen mit echten Schauspielern, was natürlich enorm zur Atmosphäre beitrug. Man fühlte sich fast schon mittendrin in einem fetzigen Actionfilm der damaligen Zeit, voller kerniger, unrasierter Typen, verschlagenen Widersachern und vor Testosteron strotzender Oneliner. Zudem waren zahlreiche Clips abrufbar, die uns Informationen zu unserer Mission, den Gebieten oder gegnerischen Einheiten lieferten.
Mit dem Wechsel in die dritte Dimension waren einige serientypische Probleme wie die ruckelnde Grafik leider nicht behoben worden, und so stockte auch bei Soviet Strike mehr als einmal der Bildschirm, was bisweilen für Frust oder Kopfschmerzen sorgen konnte. Richtig nützlich wiederum waren zahlreiche Cheatcodes, durch die man beispielsweise unverwundbar wurde oder unendlich Munition zur Verfügung hatte. Selbst damit war das Spiel allerdings kein Selbstläufer, konnten unsere Begleiter doch jederzeit sterben, was trotz unserer Überlegenheit zu mehr als einem Game Over führte.
1997: Nuclear Strike
Mit dem langsamen Ende der 90er Jahre kam dann der vorläufige (und wahrscheinlich wohl finale) Schlusspunkt der Strike-Reihe. Nuclear Strike knüpft dabei an seinen direkten Vorgänger an und beinhaltet Figuren, die uns bereits im letzten Teil begegnet waren. Wieder einmal galt es, den Dritten Weltkrieg und die Apokalypse zu verhindern und die Welt vor einer niederträchtigen Bedrohung zu retten.
Nuclear Strike setzte dabei das grundsätzliche Gameplay von Soviet Strike fort, damit die Spieler sich sofort heimisch fühlten. Erneut wurde uns die Handlung in FMV-Sequenzen präsentiert, sodass sich zusammen mit dem Vorgänger ein rundes Bild ergab. Die Schauplätze waren nun über den ganzen Planeten verteilt, um die Globalität der Handlung zu betonen. Leider übernahm man jedoch auch die technischen Probleme. Man blieb sich also in Summe treu.
Ein sechster Teil, der keiner war
Mit dem Ende von Nuclear Strike wurde bereits ein weiterer Titel angekündigt, welcher die Handlung und das Erbe hätte fortführen sollen. Electronic Arts entwickelte nunmehr ein Spiel mit Namen Future Strike, welches dem Namen nach in der (nahen) Zukunft gespielt hätte. Doch irgendwann entschied man sich zu einer grundlegenden Umorientierung der Marke. Und so erblickte Future Strike im Jahr 1998 letztlich als Future Cop: L.A.P.D. das Licht der Welt. Auf den Bezug zur Strike-Reihe verzichtete man dabei völlig, sodass diese letztlich mit Nuclear Strike und dessen Verweis auf ein mögliches Future Strike ihr Ende fand.
Gibt es vielleicht noch ein Wiedersehen?
Future Cop: L.A.P.D. war sicherlich kein Misserfolg, schaffte es aber auch nicht, Electronic Arts zu einem Nachfolger zu bewegen. Und so endete mit dem inoffiziellen sechsten Teil die Strike-Reihe noch vor der Jahrtausendwende. Seitdem wurde es ruhig. Electronic Arts legte den Fokus verstärkt auf den Sportspielsektor, inklusive seiner Cash Cow FIFA / EA Sports FC. Als Publisher verantwortete man diverse erfolgreiche Marken wie beispielsweise die Battlefield-Reihe. Doch zurück zu den isometrischen Wurzeln der Strike-Reihe fand man letztlich nicht mehr.
Ohne Hoffnung auf eine Neuauflage mussten nun andere Titel in die Bresche schlagen, wie beispielsweise das Projekt Cleared Hot, welches Ende 2025 einen Achtungserfolg auf Steam erzielen konnte. Dabei gäbe es sicherlich genügend Inspirationsquellen für einen neuen Teil der Strike-Reihe, wenn man sich nur einmal das aktuelle Weltgeschehen betrachtet. Denn eines ist letztlich gleich geblieben: Terroristen und Irre prägen noch immer die Welt-Unordnung.
