
InZOI
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Mario Tennis Fever ist das erste Tennis-Mario auf der Switch 2, und es macht etwas, das man so klar selten gesehen hat: Camelot drückt das Tempo auf Anschlag, schmeißt Spezialschläge in einer Frequenz raus, die schon fast unhöflich ist, und nennt das Ganze Fever. Der Name ist Programm. Wer das nächste Aces erwartet, bekommt etwas anderes.
Der Fever-Modus ist das neue Herzstück. Schlagsequenzen füllen eine Leiste, und wenn die voll ist, geht es in den Hochenergie-Zustand. Schläge werden härter, Animationen krachiger, Spezialaktionen kommen schneller wieder. Das fühlt sich in den ersten Matches wunderbar an, weil jede Aktion belohnt wird und der Bildschirm permanent feiert. Nach ein paar Stunden merkt man aber: Fever ist nicht nur eine Option, es ist der einzige Plan. Wer ihn nicht zündet, verliert. Klassische Grundlinien-Geduld, taktisches Aufbauen, Slice-Spielchen am Netz, all das verliert an Bedeutung. Schade, denn die Steuerung selbst ist präzise genug für mehr Tiefe.
Camelot stellt Spektakel über Schlagabtausch. Spezialschläge fliegen schneller als in jedem Vorgänger, der Schirm wackelt, Charaktere fliegen durchs Bild, und manchmal hat man kaum Zeit, dem eigenen Treffer hinterherzuschauen. Das ist gewollt und für kurze Sessions herrlich. Für längere Abende ermüdet es, weil die Lautstärke nie runtergeht. Profi-Spieler werden außerdem die Aces-Steuerung mit ihren tieferen Trickschlag-Schichten vermissen. Fever ist näher an Mario Power Tennis als an allem, was danach kam. Wer das mochte, jubelt. Wer Wettkampftiefe will, knirscht mit den Zähnen.
Der Story-Modus heißt Fieber-Tour und schickt euch durch ein paar Pilz-Königreich-Hubs mit Mini-Aufgaben, Bosskämpfen und einer Rahmenhandlung, die wirklich keinen interessiert. Das ist nicht das Camelot, das mit Mario Tennis auf dem GBA noch Rollenspielelemente klug eingebaut hat. Hier wirkt alles eher wie eine Checkliste: Schlag fünfmal gegen die Wand, gewinne ein Match mit Bowser, sammle Münzen. Nett für ein paar Stunden, aber blass im Vergleich zu dem, was möglich gewesen wäre.
Im Doppel auf der Couch dreht Mario Tennis Fever richtig auf. Vier Leute, kurze Ballwechsel, ständig Spezialaktionen, dazu Items, die optional zuschaltbar sind, das ist Partyspiel der oberen Liga. Online läuft es überraschend stabil, mit kurzen Wartezeiten und sauberer Verbindung in den meisten Matches. Der Ranglistenmodus ist vorhanden, fühlt sich aber sekundär an. Mario Tennis Fever weiß, wo seine Stärken liegen, und das ist eindeutig der Wohnzimmer-Tisch.
Optisch ist das einer der buntesten Switch-2-Titel bisher. Stadien glitzern, Bälle ziehen Spuren, Charaktere haben deutlich mehr Mimik als früher. Performance hält die 60 Bilder, auch im Vier-Spieler-Modus. Soundkulisse ist klassisches Mario-Geblubber mit einer Spur zu viel Geschrei. Auf Dauer hätte ich gern eine Option, die Spezial-Animationen zu kürzen, denn manche Kombos unterbrechen den Spielfluss länger als nötig. Kleines Ärgernis, aber spürbar.
Ich hatte Spaß mit Mario Tennis Fever, mehr als erwartet. Auf der Couch, mit zwei oder drei anderen, ist das eines der direktesten Partyspiele dieser Generation. Allein und mit Anspruch auf taktischen Tiefgang werde ich aber nicht warm damit. Camelot hat sich klar entschieden und das Pendel weit Richtung Arcade gedrückt. Wer das mag, bekommt einen lauten, hübschen, schnellen Mario-Tennis-Teil mit einem starken Doppel-Modus. Wer Aces zurückwill, sollte realistisch bleiben: Fever ist nicht dieses Spiel und will es auch nicht sein.
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