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PRAGMATA

Pragmata im Test: Capcoms Mondspaziergang mit Mathe-Hausaufgaben

Score: 82/10011. Mai 2026 · von Till Eilert

Pragmata wurde sechs Jahre lang angekündigt, verschoben und wieder angekündigt. Jetzt ist es da, und es macht etwas, das auf dem Papier kaum funktionieren sollte: Schießen und Echtzeit-Rätsel parallel. Capcom hat sich auf dem Mond eine Idee einfallen lassen, die entweder genial oder anstrengend ist. Manchmal beides am selben Abend.

Zwei gegen den Rest des Mondes

Hugh ist Astronaut, Diana ist ein Android in Kindergestalt, die Mondstation ist hinüber, und so ziemlich alles dort oben will euch tot sehen. Das Setting ist klein, aber stimmig: leere Gänge, defekte Drohnen, glitzernde Erde im Fenster. Die Story bleibt knapp und lässt sich Zeit, was hier eher Stärke als Schwäche ist. Wer ein Drama mit zwanzig Charakteren erwartet, ist falsch. Wer mit zwei Figuren und einer kaputten Basis klarkommt, bekommt eine ruhige, dichte Erzählung mit überraschend wenig Pathos.

Schießen und Sudoku, gleichzeitig

Der Kern-Loop ist ungewöhnlich. Hugh zielt auf einen Gegner, Diana hackt parallel ein kleines Knotenrätsel in einem Overlay. Erst wenn das Rätsel sitzt, richtet die Waffe Schaden an. Klingt sperrig, fühlt sich nach zwei Stunden aber so natürlich an wie Nachladen. Die Rätsel sind kurz, schnell zu lesen und werden mit jeder neuen Gegnerklasse fieser. Das hält das Tempo hoch, ohne in reines Geballer zu kippen, und es gibt diesem Spiel eine Handschrift, die man sonst nirgendwo bekommt.

Wenn das Hirn schneller sein muss als der Reflex

Pragmata bestraft Hektik. Wer wild draufhält, läuft trocken und stirbt. Wer zu lange grübelt, kassiert Treffer. Diese Balance ist die eigentliche Leistung des Spiels: zwei Disziplinen, die sich permanent gegenseitig im Weg stehen, bis man lernt, beides parallel zu fahren. Bosskämpfe sind die Sahnehäubchen, weil sie Muster, Timing und Rätseldruck zusammenwerfen. Manche Sequenzen kippen allerdings in Frust, vor allem dann, wenn das Rätsel-Layout im Bildschirmgewusel schlecht lesbar wird.

Hübsche Tristesse mit Schwächen

Die RE Engine liefert das, was sie immer liefert: schöne Oberflächen, glaubwürdiges Licht, klare Effekte. Die Mondstation sieht müde und benutzt aus, im besten Sinne. Akustisch bleibt das Spiel zurückhaltend, fast zu leise. Technisch lief der Test stabil, ein paar Pop-ins in größeren Hallen ausgenommen. Was nervt, ist das Leveldesign in der Mitte: zu viele ähnliche Korridore, zu wenig Wiedererkennungswert. Man weiß ab Stunde sieben oft nicht, wo man eigentlich ist, und das ist nicht atmosphärisch gemeint.

Begleiter, der nicht im Weg steht

Diana könnte schnell zur Last werden, ist sie aber nicht. Sie wird nicht zum Erzähl-Sidekick mit ständigen Sprüchen, sondern bleibt funktional, beobachtend, manchmal kurz angebunden. Genau das hält die Beziehung interessant. Wer aus früheren Capcom-Spielen Eskort-Trauma mitbringt, kann beruhigt sein: hier wird niemand ständig gerettet, und niemand quatscht den Spielfluss tot.

Fazit

Ich habe nicht damit gerechnet, dass Pragmata aufgeht, und es geht auf. Nicht vollständig, aber überraschend deutlich. Der Doppel-Loop aus Schießen und Hacken ist eine der frischsten Ideen, die Capcom seit Jahren riskiert hat, und sie trägt fast das ganze Spiel. Schade nur, dass das Leveldesign nicht mitzieht und ein paar Bosskämpfe in ihrer Lesbarkeit ertrinken. Wer Lust auf etwas Eigenes hat und nicht nach jedem Trefferreiz lechzt, bekommt hier einen sehr guten, eigenständigen Sci-Fi-Action-Titel. Wer einfach nur ballern will, sollte vorher in eine Demo oder ins Game-Pass-Regal schauen.

Pro

  • Frischer Kern-Loop aus Schießen und Echtzeit-Hacking
  • Starke, ruhige Inszenierung der Mondstation
  • Diana funktioniert als Begleiter, ohne den Spielfluss zu stören
  • Lernkurve, die sich auszahlt und Bosskämpfe wirklich groß macht

Contra

  • Leveldesign in der Mitte zu monoton
  • Rätsel-Overlay in hektischen Bosskämpfen schlecht lesbar
  • Soundkulisse oft zu zurückhaltend

Endwertung

82/100
050100

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