
Pragmata
Lohnt sich Pragmata? Im Test zeigt Capcoms Mond-Action, ob Schießen und Hacken im Doppel wirklich aufgehen oder einfach zu sperrig sind.
Test lesenEs gab Zeiten, da waren Lizenzspiele zum Terminator so verlässlich mies wie ein Toaster mit Kurzschluss. Bitmap Bureau hat sich jetzt die Rechte geschnappt, um zu zeigen, dass man aus dem besten Actionfilm aller Zeiten doch noch ein echtes Brett machen kann. Die Erwartungen waren bei mir nach Hits wie Xeno Crisis natürlich riesig, immerhin verstehen die Jungs ihr Handwerk, wenn es um Pixel, Schweiß und Patronenhülsen geht. Doch am Ende stehe ich vor einem Spiel, das sich anfühlt wie ein intensives Effekt-Gewitter: brillant inszeniert, bildhübsch, aber viel zu schnell vorbei.
Was die Optik angeht, zieht Terminator 2D: No Fate alle Register. Das hier ist kein liebloser Retro-Aufguss, sondern pure Arcade-Leidenschaft. Wenn man als nackter Arnold in der Biker-Bar startet und sich erst mal die Klamotten „organisiert“, versprüht jede Animation so viel Charme, dass man am liebsten den alten Röhrenfernseher aus dem Keller holen möchte. Die Entwickler haben die ikonischen Momente des Films nicht nur kopiert, sondern in ein Korsett aus Run-and-Gun, Beat-em-up und Verfolgungsjagden gesteckt, das sich wunderbar flüssig spielt.
Der größte Pluspunkt ist das Pacing. Statt sich drei Stunden durch die gleichen Fabrikhallen zu ballern, wirft Terminator 2D: No Fate ständig mit neuen Ideen um sich. Mal spielt man Sarah Connor in einer Schleichpassage, dann steuert man den T-800 auf dem Motorrad durch den Entwässerungskanal, nur um kurz darauf als John Connor in der Zukunft gegen Endoskelette anzutreten. Die spielerischen Anleihen bei Klassikern wie Contra oder Metal Slug sind unübersehbar, aber die Mischung aus Deckungs-Mechanik und aggressivem Vorstürmen gibt dem Ganzen eine eigene Note.
Hier kommt das riesige Aber: Ich habe für meinen ersten Durchlauf exakt 58 Minuten gebraucht. Ja, ihr habt richtig gelesen. Das Spiel ist kürzer als eine durchschnittliche Folge einer Netflix-Serie. Dass es alternative Pfade gibt, die zu anderen Enden führen (was übrigens ein genialer Kniff für T2-Nerds ist), streckt die Spielzeit zwar künstlich, aber das Kernproblem bleibt. Man hat gerade erst so richtig Betriebstemperatur erreicht, da flimmert schon das Ende über den Schirm. Das ist besonders deshalb schade, weil die Spielmechanik so verdammt gut funktioniert.
Man merkt dem Titel an, dass er für Leute gemacht wurde, die Highscores jagen oder jedes versteckte Detail finden wollen. Die verschiedenen Schwierigkeitsgrade und die freischaltbaren Modi motivieren durchaus zu einem zweiten oder dritten Run. Dennoch hinterlässt die Kürze einen faden Beigeschmack, wenn man den Vollpreis im Kopf hat. Es ist ein Spiel für Genießer, die Qualität über Quantität stellen, aber man muss eben wissen, worauf man sich einlässt: ein hochglanzpoliertes Arcade-Erlebnis, das keinen Platz für Leerlauf lässt.
Terminator 2D: No Fate ist ohne Zweifel das beste Terminator-Spiel seit dem Mega Drive, aber es ist leider auch eines der kürzesten Vergnügen des Jahres. Die Atmosphäre ist zum Schneiden dicht, der Soundtrack peitscht einen nach vorne und die spielerische Abwechslung ist fantastisch. Wenn man bereit ist, für eine knappe Stunde Nostalgie-Dauerfeuer Geld auf den Tisch zu legen, bekommt man hier ein echtes Juwel. Wer allerdings ein Epos erwartet, das ihn über das Wochenende rettet, wird enttäuscht sein. Es ist eine intensive, wunderschöne Zeitreise, die leider viel zu früh im Jahr 2026 endet.
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